Frieda

Ich wollte nie aufs Land… und ich wollte entschieden auch keinen Hund. Hunde, fand ich, waren die Pest der Großstadt, glotzten dämlich beim Kacken und zerrten Herrchen von Baum zu Baum. Herr S. sah das anders und träumte von einem vierbeinigen Begleiter für nicht näher definierte Abenteuer. Fiep…

„Nur mal theoretisch“ raunte er eines Tages, klappte das Notebook auf und zeigte mir die Wikipedia-Seite mit einer Liste der Hunderassen: „Welche gefällt Dir?“
Hätte ich in diesem Moment das Sofa verlassen und mir in der Küche eine Stulle geschmiert, wäre mein Leben anders verlaufen. So aber bezeichnete ich leichtsinnig eine schlanke, braune Hunderasse mit exotischem Namen „Magyar Viszla“ als „theoretisch“ mir gefallend.

Herr S. hatte wenige Tage später einen Züchter in Thüringen ausfindig gemacht und zeigte mir Fotos von einem feuchtäugigen Welpenmädchen, das mit einem grünen Bändchen markiert und für uns reserviert war. Fiep.
Vier Wochen später ringelte sich während der Fahrt im geliehenen Auto ein Knäuel in viel zu großem Fell auf meinem Schoß. Zuerst tauften wir es Anna, aber weil wir befürchteten, dass so auch Prenzlberg-Kids auf dem Spielplatz gegenüber von unserem Wohnhaus heißen könnten, benannten wir unser Hundemädchen um, zuerst in Maria, schließlich in Frieda. Natürlich gingen auf dem Spielplatz alle Köpfe hoch, als wir unser Haustier zum ersten Mal riefen.

Seitdem hat Frieda unser, dh. vor allem mein Leben begleitet, von höchstens zwei Handvoll Tagen abgesehen. Sie hat Besucher angekündigt und Kinderhände geduldig ertragen, Perlhühner, Gänseküken und Rehkitze (wieder) gefunden, Hühner, Enten und Katzenbabys bewacht, sich mit Nachbarshunden angelegt und Flaschenlämmer… naja, wir wollen nicht alles verraten. Ich denke, sie hatte auf dem Hof ein richtig gutes Leben. Beim Altwerden hat sie uns überholt und braucht mittlerweile den starken-Arm-Lift für die Treppen.

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