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Seit 2011 lebe ich auf einem Hof in der Uckermark. Vorher ganz und gar Städter, hat sich in einem Jahrzehnt meine Sicht auf unsere Lebensgrundlagen und eben auch mein Verhältnis zu Tieren grundsätzlich gewandelt. Täglich besuche ich meine Schafe, füttere sie aus der Hand, rede mit ihnen. Bei Frost schleppe ich Wasser, im Frühjahr schere ich ihr Fell, im Herbst schneide ich ihre Klauen und manchmal muss ich ein Lamm mit der Flasche aufziehen. Ich erkenne meine Schafe am Gesicht und natürlich haben sie Namen. Manchmal werde ich gefragt, wie ich es fertig bringe, sie zu schlachten. Die Antwort ist, wie alles im Leben, kompliziert. Hier ein Versuch. Manchmal ist es einfacher sie zu malen.

Emmeran
Turandot

Seit drei Jahren male ich unsere Schafe auf Leinwand, sozusagen in memoriam, in einer Art Opferritual. Ich male sie so wie ich mich an sie erinnere, mit ihren Eigenheiten und Macken, in ihren Farben und Posen und ja, in ihrer Individualität. So leben sie weiter in meiner Erinnerung und ich kann sie anderen zeigen, ohne jedesmal provokante Sätze sagen oder schreiben zu müssen.

Therese
Emilie mit Simon

Dem einen oder anderen mag die Idee, Schafe zu malen, bizarr vorkommen. Man denkt dann gleich an das Schaf Daisy in Woody Allens „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“. Vegetarier finden vielleicht die Verwandlung der Opfer in bunte Helden obszön.

Wotan
Admiral alias Herbert

Das unterstreicht in meinen Augen aber nur die Tatsache, dass uns mit dem Aufkommen der industrialisierten Tierhaltung der unmittelbare Kontakt mit den Tieren und viel Wissen um die Rituale der Achtung und Versöhnung abhanden gekommen sind. Lange Zeit töteten die Menschen Nutztiere und Jagdbeute nach peniblen Regeln, opferten Teile des Geschlachteten, beteten zur Beruhigung der Geister und hätten schlimmste Rache befürchtet, wenn irgend etwas vom einst Lebendigen zu „Abfall“ erklärt worden wäre.

Therese
Feuerkopf
Rudolf
Heidrun